Aquarellfarben im Art Journal

11.07.2026 | Journalen

📋 Schritt-für-Schritt Anleitung

Zwei Farben. Nasses Papier. Und ein Ergebnis, das du nicht komplett in der Hand hast, das ist die Grundidee hinter lockerem Aquarellieren im Art Journal, und genau das macht es für Scannerpersönlichkeiten so reizvoll: kein starres System, sondern jedes Mal ein kleines Experiment.

Aquarellfarbe im Art Journal — fertige Seite mit ineinanderfließenden Farbtönen
Aquarellfarbe im Art Journal: die fertige Doppelseite nach dem Trocknen. Bildquelle: pixabay, Foto von Post468

Bei mir hat das Ganze so angefangen: Ich wollte einfach mal wieder etwas völlig Neues ausprobieren, typisch für mich als Scannerin, die selten lange bei einer Technik bleibt. Ich habe das Papier großzügig nass gemacht und verschiedene Farbtöne draufgetropft. Es war wirklich schön zu beobachten, wie die Farben ineinanderflossen. Nur am Rand entstanden diese kleinen Farbteiche: Ränder, die ich so nicht haben wollte. Ich habe sie mit einem Taschentuch weggetupft, und dabei entstanden neue Muster, die mir auch nicht gefielen. Also habe ich noch mal Farbe draufgetropft. Diesmal floss sie kaum noch, weil das Papier zwischenzeitlich schon wieder angetrocknet war.

Genau da liegt die eine Erkenntnis, die mir seitdem das Aquarellieren leichter macht: Diese Ränder und das plötzliche Nicht-mehr-Fließen haben fast nie mit deiner Pinselführung zu tun. Es liegt am Timing des Wassers: an dem Moment, in dem du Farbe aufträgst, im Verhältnis dazu, wie feucht das Papier gerade noch ist. Sobald du dieses Timing im Gefühl hast, wird lockeres Aquarellieren plötzlich viel entspannter.

Schwierigkeit⭐ Kein Vorwissen nötig
Zeit1–2 Stunden
Kosten ca.40–50 €
Für wenScanner auf der Suche nach neuen kreativen Reizen

🛒 Das brauchst du

  • Aquarellblock, 14 x 21 cm, mind. 200 g/m², z. B. der Aquarellblock*, ca. 14 €
  • Aquarellfarben, ein Set mit 12–24 Näpfchen, z. B. dieses Set*, ca. 35 €
  • 1 Wassertankpinsel* Größe 8–10 (synthetisch, saugt gut Wasser), ca. 6 €
  • Ein Glas Wasser (mind. 300 ml) zum Auswaschen des Pinsels
  • Küchenpapier oder ein altes Taschentuch zum Abtupfen
  • Optional: Malerkrepp, um die Papierränder abzukleben
  • Ein Aquarell-Tagebuch*, um deine fertigen Seiten zu sammeln, ca. 12 €

Das Material mit * sind Affiliate-Links. Wenn du darüber kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich nichts am Preis. Du unterstützt damit meinen Blog 😉. Vielen Dank!

Aquarellfarbe im Art Journal — Materialübersicht mit Pinsel, Farbnäpfchen und Papierblock
Material-Übersicht: Block, Farben, Pinsel und Wasserglas

Schritt für Schritt: Aquarellfarbe im Art Journal auftragen

Schritt 1: Arbeitsplatz vorbereiten

Lege eine Unterlage aus (altes Handtuch oder Zeitung), Aquarellieren tropft. Öffne den Aquarellblock auf der Seite, die du bemalen willst, oder klebe die Ränder deines Einzelblatts mit Malerkrepp ab, wenn du später einen sauberen weißen Rand haben möchtest. Fülle dein Wasserglas und lege das Küchenpapier griffbereit hin.

Schritt 2: Papier anfeuchten (Nass-in-Nass-Technik)

Tauche den sauberen Pinsel in klares Wasser und ziehe damit die Fläche ab, die du bemalen willst: gleichmäßig, ohne Druck, ruhig zwei- bis dreimal drüber. Das Papier soll gleichmäßig glänzen, aber nirgendwo eine sichtbare Wasserpfütze bilden. Das ist die Grundlage der Nass-in-Nass-Technik: Farbe, die auf noch feuchtes Papier trifft, verläuft weich statt harte Kanten zu bilden.

Schritt 3: Farbe auftropfen lassen

Nimm mit dem Pinsel Farbe auf, tupfe sie mittig auf die nasse Fläche und beobachte, wie sie sich von selbst ausbreitet. Setze 2–3 Farbtöne nebeneinander, ohne sie zu vermischen, das übernimmt das Wasser für dich. Genau hier passiert die kleine Magie des lockeren Aquarellierens für Anfänger: Du steuerst nur den Startpunkt, den Rest erledigt die Physik.

Aquarellfarbe im Art Journal — Farbtropfen verlaufen ineinander in der Nass-in-Nass-Technik
Der kritischste Moment: Farbe trifft auf feuchtes Papier. Bildquelle: pixabay, foto von Neangart

Schritt 4: Die Randteiche verstehen (und in Ruhe lassen)

Wenn sich am Rand deiner Fläche kleine Farbpfützen sammeln, ist das kein Fehler, das ist Physik. Das Wasser wandert zum Rand, wo das Papier schneller antrocknet, und die Pigmente sammeln sich dort. Fachleute nennen diese Ränder „Blüten“ oder Backruns. Der Reflex, sie sofort wegzutupfen, ist verständlich, führt aber oft zu genau den unruhigen Mustern, die ich bei meinem ersten Versuch hatte. Was wirklich hilft: kurz warten, bis die Fläche gleichmäßig anzieht, statt mitten im nassen Prozess einzugreifen.

💡 Insider-Tipp: Mach den Glanz-Test, bevor du eine zweite Schicht aufträgst: Kippe das Papier leicht ins Licht. Glänzt die Fläche noch, ist sie zu nass für Details, die Farbe würde sofort wieder verlaufen. Wirkt sie komplett matt, ist sie trocken genug. Bei 200 g/m² Papier dauert das je nach Raumklima meist 15–25 Minuten. Willst du gezielt Ränder vermeiden, tupfe Farbpfützen nur im ersten Moment nach dem Auftragen ab (max. 10–15 Sekunden), nicht mehr, wenn das Papier schon angetrocknet ist.

Schritt 5: Trocknen lassen

Leg die Seite flach hin und lass sie ungestört trocknen: mindestens 20 Minuten, bei sehr viel Wasser auch länger. Nicht föhnen, wenn du noch nass-in-nass weiterarbeiten willst: Warmluft trocknet ungleichmäßig und erzeugt neue harte Ränder.

Schritt 6: Zweite Schicht: Details setzen (Nass-auf-Trocken)

Ist die Fläche komplett matt, kannst du mit einem nur leicht feuchten Pinsel und wenig Wasser gezielt Akzente setzen: kleine Punkte, feine Linien, dunklere Tupfer. Diese Nass-auf-Trocken-Technik gibt dir jetzt die Kontrolle zurück, die dir in Schritt 3 bewusst gefehlt hat. Der Kontrast zwischen den weichen Verläufen und den scharfen Details ist genau das, was eine Art-Journal-Seite lebendig wirken lässt.

Aquarellfarbe im Art Journal — getrocknete Farbflächen vor dem Setzen der Details
Zwischenergebnis nach dem Trocknen, bereit für die Detailschicht

Schritt 7: Fertigstellen und einkleben

Wenn alles vollständig trocken ist (mindestens eine Stunde, am besten über Nacht), löse das Malerkrepp vorsichtig in einem flachen Winkel ab, statt es hochzureißen, sonst reißt Papierfaser mit. Schneide die Seite bei Bedarf zurecht und klebe sie in dein Art-Journal ein, oder arbeite direkt im Aquarellblock weiter.

Übrigens: Nicht nur beim Aquarellieren, auch bei Collage- oder Mixed-Media-Seiten passiert es schnell, dass eine Art-Journal-Seite gerade nicht so wird, wie du wolltest. Ich hab die 7 Ansätze, die mir dabei am meisten helfen, für dich gesammelt.

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⚠️ Das machen Anfänger falsch:
  • Zu dünnes Papier: Unter 200 g/m² wellt sich die Seite stark und die Pfützenbildung nimmt zu. Lösung: mind. 200–300 g/m², besser gleich einen fertig geleimten Block nehmen.
  • Sofortiges Wegtupfen von Rändern: Führt oft zu neuen, unkontrollierten Mustern. Lösung: 10–15 Sekunden warten, dann erst reagieren, oder die Ränder als Teil des Bildes stehen lassen.
  • Zweite Schicht zu früh: Wenn das Papier noch glänzt, verläuft neue Farbe sofort wieder. Lösung: Glanz-Test aus Schritt 4 machen, notfalls lieber 5 Minuten länger warten.
  • Zu viel Wasser auf einmal: Das Papier wellt sich und Farbe sammelt sich in den Wellen. Lösung: Pinsel vor dem Anfeuchten leicht am Glasrand abstreifen.
  • Perfektionsanspruch beim ersten Versuch: Aquarell ist von Natur aus unvorhersehbar, das ist kein Zeichen für „falsch gemacht“, sondern der Kern der Technik. Übe lieber auf 3–4 kleinen Testflächen, bevor du auf der finalen Seite arbeitest.

Aquarell ist übrigens nur der Anfang: Wenn du gern verschiedene Techniken und Materialien mischst, statt dich auf eine festzulegen, lohnt sich ein Blick in meinen Artikel Mixed Media Kunst im Art Journal, eine Technik voller Wunder.

🎨 Variationen:
  • Statt bunter Mischungen: nur 2 Töne aus derselben Farbfamilie für einen ruhigeren, eleganten Look.
  • Größeres Format (z. B. A5 oder A4) für mehr Fläche zum Experimentieren, dann aber mind. 300 g/m² Papier verwenden.
  • Etwas Salz auf die noch feuchte Farbe streuen: Es entzieht Wasser und hinterlässt sternförmige Strukturen.
  • Zerknitterte Frischhaltefolie auf die nasse Fläche legen, kurz antrocknen lassen und wieder abziehen: ergibt spannende, unregelmäßige Muster.
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Aquarellblock, 14 x 21 cm, ca. 14 €

Das ist der Block, den ich für kleinere Art-Journal-Seiten aktuell am meisten nutze. Die Oberfläche ist angenehm griffig, nimmt Wasser gut auf und lässt sich auch bei mehreren Farbschichten noch gut korrigieren. Die kompakte Größe passt in jede Tasche, wenn du spontan unterwegs malen willst. Ehrlich gesagt: Bei sehr nassen Techniken mit viel Wasser wellt er sich trotzdem ein bisschen, für Profi-Ansprüche bräuchtest du ein schwereres Papier ab 300 g/m².

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Aquarell-Tagebuch, ca. 12 €

Hier sammle ich meine fertigen Aquarellseiten, statt sie lose im Ordner zu haben. Das Papier ist etwas leichter als reines Aquarellpapier, reicht für lockere Nass-in-Nass-Übungen aber gut aus. Besonders schön: Ich sehe auf einen Blick, wie sich meine Technik von Seite zu Seite verändert. Die Schwäche: Für sehr wasserreiche Techniken mit vielen Schichten würde ich zusätzlich einzelne Blätter aus einem schwereren Block einkleben.

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Bevor du weiterliest: Falls dir auch bei anderen Art-Journal-Seiten mal die Ideen ausgehen oder eine Seite „verhauen“ aussieht: Ich hab 7 schnelle Rettungsansätze in einem kostenlosen Spickzettel für dich zusammengefasst.

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Häufige Fragen zum lockeren Aquarellieren für Anfänger

Wie lange dauert es wirklich, bis eine Seite fertig ist?

Das eigentliche Malen dauert 20–30 Minuten. Dazu kommt die Trockenzeit: mindestens 20 Minuten zwischen den Schichten, und noch mal 30–60 Minuten, bevor du die Seite anfasst oder einklebst. Plane für den ganzen Vorgang realistisch 1–2 Stunden ein, wenn du die Wartezeiten mit einrechnest.

Kann ich das Material ersetzen, wenn ich noch keinen Aquarellblock habe?

Für erste Versuche im lockeren Aquarellieren für Anfänger reicht auch ein normaler Skizzenblock mit möglichst dickem Papier (mind. 160 g/m²), allerdings wellt er sich stärker und du solltest vorsichtiger mit Wasser umgehen. Für dauerhafte Art-Journal-Seiten lohnt sich echtes Aquarellpapier auf jeden Fall.

Was mache ich, wenn ein Schritt misslingt?

Bei Aquarell lässt sich vieles im nassen Zustand noch korrigieren, indem du vorsichtig mit klarem Wasser und einem sauberen Pinsel über die Stelle gehst und die Farbe mit Küchenpapier abnimmst (Lifting-Technik). Ist die Fläche schon getrocknet und du magst das Ergebnis nicht, kannst du sie mit Collage-Papier überkleben oder als Untergrund für eine zweite, dichtere Farbschicht nutzen.

Warum bilden sich bei mir immer diese hässlichen Ränder?

Das sind sogenannte Blüten oder Backruns: Sie entstehen, wenn Farbe auf eine Fläche trifft, die ungleichmäßig antrocknet. Meistens liegt es am Timing, nicht an der Technik. Mit etwas Übung entwickelst du ein Gefühl dafür, wann das Papier bereit für den nächsten Schritt ist.

Brauche ich teure Künstlerfarben für den Einstieg?

Nein. Für den Einstieg ins lockere Aquarellieren reicht ein einfaches Set aus dem Bastelmarkt. Ich habe dir ein Set oben verlinkt, dass im mittleren Bereich liegt. Weil ich persönlich Aquarellfarben nicht kompromissbereit bin. Denn günstige Farben können Probleme machen, die dir den Spaß nehmen. Wichtig für den Anfang ist, ein Gefühl für Wasser und Timing zu entwickeln, das gelingt dir auch mit günstigerem Material.

✂️
Maren aus der Bastelfarbstube
Maren schreibt auf der Bastelfarbstube über Art Journaling, Bullet Journaling und ihr Leben als Scannerpersönlichkeit. Aquarellfarbe im Art Journal ist eine ihrer liebsten Techniken für spontane, kurze Kreativ-Pausen zwischendurch.

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Maren

aus der Bastelfarbstube

Ich bin ein kreativer Kopf, ein Scannerpersönlichkeit, schmeiße einen Männerhaushalt und habe nebenher einen sozialen Beruf. Als Ausgleich hilft mir all das, was mit Journalen und Upcycling zu tun hat.