Nature Journaling – das stille Gespräch mit der Natur

15.05.2026 | Journalen

Nature Journal mit Ledereinband

Nature Journaling braucht kein Talent, keine teure Ausrüstung, kein künstlerisches Vorwissen! Nur ein Notizbuch, einen Stift und die Bereitschaft, für eine Weile stillzuhalten.

Erste Knospen an den Ästen, das Licht, das sich goldener anfühlt, Vogelstimmen, die du den ganzen Winter nicht gehört hast – die Natur ist zurück. Und sie hat so viel zu erzählen, wenn du anfängst, sie aufzuschreiben.
Nature Journaling – auf Deutsch manchmal auch Wildnis Tagebuch oder Naturtagebuch genannt, ist eine alte Praxis, die gerade eine leise Renaissance erlebt. Und vielleicht ist jetzt der richtige Moment, damit zu beginnen.

Warum jetzt? Die Natur kehrt zurück

Der Frühling macht etwas mit uns. Plötzlich sind da wieder Farben, die wir vergessen hatten. Formen, die aus dem Nichts auftauchen – eine aufbrechende Knospe, ein frischer Trieb, das erste Insekt auf der Terrasse. Der Botaniker und Naturforscher in uns erwacht, auch wenn wir ihm selten einen Namen geben.


„Und dann muss man ja auch noch Zeit haben,
einfach da zu sitzen & vor sich hinzuschauen.“

Astrid Lindgren




Gerade in dieser Jahreszeit – wenn organische Formen, Pflanzendrucke und das Beobachten von Wachstum wieder spannend werden – ist der Einstieg besonders naheliegend. Du musst nichts inszenieren. Die Natur liefert dir täglich neues Material.

Was Nature Journaling eigentlich ist

Nature Journaling verbindet Beobachten, Zeichnen und Schreiben. Du hältst fest, was du siehst – mit Skizzen, Notizen, Maßen, Fragen, Farbbeschreibungen. Es geht nicht darum, ein perfektes Bild zu malen, sondern darum, wirklich hinzuschauen

Viele Nature Journaler tragen alles Mögliche in ihre Bücher ein: Vogelbeobachtungen mit Datum und Uhrzeit, Skizzen von Pflanzenblüten, den Geruch des ersten Regens, eine Feder, die sie gefunden haben. Das Journal wird zu einem persönlichen Archiv der Jahreszeiten – deiner Jahreszeiten.

Was Nature Journaling für mich bedeutet

Für mich beginnt Nature Journaling in dem Moment, in dem ich die Tür hinter mir zumache und losgehe- ohne Plan, ohne Ziel, einfach mit meinem Notizbuch unter dem Arm. Diese Freiheit, die Natur wirklich zu erkunden, hat mich von Anfang an fasziniert. Nicht als Sport, nicht als Pflicht, Einfach als Einladung, da zu sein. Draußen passiert dann etwas, das ich kaum erklãren kann: Ich fange an, wirklich zu sehen. Ein Blatt, das ich hundertmal übersehen habe. Eine Wurzel, die sich um einen Stein windet. Ein Insekt, das genau jetzt hier ist, Ich bleibe stehen, setze mich hin, schlage das Notizbuch auf und plötzlich interessiert mich alles. Wie heisst diese Pflanze? Warum wächst sie genau hier ? Was macht das Licht gerade mit dieser Textur? Diese Neugier, die ich als Kind hatte und irgendwann verloren geglaubt habe. Sie ist beim Journalen zurückgekommen!

Was mich am meisten berührt, ist das Festhalten. Nicht als Foto, das ich morgen vergessen habe, sondern als Skizze, als Notiz, als Moment, den ich mit dem Stift wirklich durchdacht habe. In meinem Journal stecken Dinge, die mich wirklich interessieren: eine Pflanze, die ich noch nie zuvor bemerkt habe, ein Licht, das so nur an diesem einen Morgen so war, eine Beobachtung, über die Ich noch Wochen später nachdenke. Diese Seiten überdauern. Sie sind mein persönliches Archiv der Jahreszeiten und jede einzelne davon erinnert mich daran, was ich gefühlt habe, als ich in der Situation verweilte.

Nature Journaling hat mich verändert, wie ich durch die Welt gehe. Langsamer. Neugieriger. Mit dem Gefühl, dass es sich lohnt, inne zu halten und den Anblick zu überdenken und zu hinterfragen, warum Dinge so sind, wie sie sind!

Was es dir gibt – 7 echte Vorteile

Warum nehmen sich immer mehr Menschen ein Notizbuch und gehen damit in den Wald? Weil Nature Journaling weit mehr ist als ein kreatives Hobby. Es verändert, wie du die Natur wahrnimmst und damit auch, wie du dich selbst fühlst. Hier sind sieben Dinge, die du mit der Zeit bemerken wirst:

Warum ich Nature Journale:

Entdecken und Forschen
Du beginnst, Fragen zu stellen. Welche Pflanze ist das? Warum diese Form? Neugier wächst.

Nachhaltig & materialsparend
Ein Buch, ein Stift. Kein Strom, kein Account, kein Abo. Radikal einfach.

Waldbaden mit Tiefe
Kombination mit Shinrin-yoku: du bist länger draußen, achtsamer, präsenter.

Wissen aufbauen
Du erinnerst dich an das, was du gezeichnet hast – viel besser als ans Gelesene.

Gemeinschaft & Verbindung
Gemeinsam in der Natur sitzen und zeichnen schafft eine besondere Stille zu zweit oder zu viert.

Erden und Entschleunigen
Fokus auf das Kleine bringt dich ins Hier und Jetzt – besser als jede Meditations-App.

Selbstausdruck ohne Druck
Es gibt kein Richtig oder Falsch. Dein Journal gehört nur dir.

So geht`s ! Eine kurze Anleitung

Nature Journaling ist einer der wenigen Praktiken, die du wirklich alleine und jederzeit beginnen kannst ohne vorher einen Kurs belegt zu haben und ohne große Vorbereitung.

Das richtige einpacken

Ein A5-Notizbuch (möglichst etwas dickeres Papier), ein Bleistift oder Fineliner, optional Wasserfarben oder Buntstifte. Mehr brauchst du nicht.

Einen Ort wählen

Geh raus. Setze dich. Atme. Schau dich um. Lass deinen Blick wandern, bis er an etwas hängen bleibt – einer Pflanze, einem Stein, einem Insekt.

Datum, Ort, Wetter notieren

Diese drei Angaben am Seitenrand machen dein Journal lebendig. Du wirst sie später lieben.

Beobachten und wirklich hinschauen

Bevor du zeichnest: schau 2 Minuten lang. Wie viele Blätter? Welche Richtung zeigen die Äste? Gibt es Symmetrie? Lass dich überraschen.

Zeichnen und schreiben gleichzeitig

Skizziere die Form. Ergänze Notizen daneben: Farbe, Textur, Fragen, die du dir stellst. Beides zusammen macht das Nature Journal aus.

Kein Ergebnis erwarten

Der Prozess ist das Ziel. Eine krumme Skizze mit einem guten Gedanken daneben ist wertvoller als ein perfektes Bild ohne Beobachtung.

Nature Journaling in Gemeinschaft bedeutet mehr, als gemeinsam draußen zu sitzen und Seiten zu füllen. Es eröffnet neue Blickwinkel, verbindet Menschen mit ähnlicher Neugier und macht aus kleinen Entdeckungen besondere Erlebnisse.
Wenn wir gemeinsam journalen, sehen wir oft mehr, weil jede Person andere Dinge wahrnimmt. Während die einen an einer unscheinbaren Pflanze vorbeigehen würden, entdecken die anderen plötzlich Muster auf einem Blatt oder eine spannende Geschichte hinter einem Fundstück. Aus Beobachtungen entstehen Fragen und aus Fragen neue Entdeckungen.

Gleichzeitig verbindet gemeinsames Nature Journaling Menschen, die Freude daran haben, genauer hinzuschauen. Ohne Leistungsdruck, ohne richtig oder falsch. Es entsteht Raum für Austausch, Staunen und die Erkenntnis, dass jeder die Natur auf seine eigene Weise wahrnimmt und festhält.

Und vielleicht das Schönste: Gemeinschaft macht neugierig und motiviert. Ein gemeinsamer Termin hilft, wirklich rauszugehen, statt den Gedanken „Das mache ich irgendwann mal“ weiterzuschieben.

So werden Spaziergänge zu kleinen Abenteuern und die eigene Umgebung plötzlich wieder spannend.
Denn manchmal braucht es nur andere Menschen, einen Stift und etwas Zeit in der Natur,
um festzustellen: Direkt vor unserer Haustür gibt es viel mehr zu entdecken, als wir gedacht haben.

Der Nature Journaling Club im Schwarzwald

Ich baue gerade vor Ort eine kleine Runde auf: Menschen, die sich regelmäßig draußen treffen, um gemeinsam zu beobachten und zu zeichnen. Kein Kurs, kein Leistungsdruck – einfach eine Gruppe, die gemeinsam still wird und hinschaut.

Wenn du dabei sein möchtest – als Anfänger, als Neugieriger oder als jemand, der schon länger zeichnet und einfach Gesellschaft sucht – dann melde dich gerne. Die nächsten Treffen finden im Freien statt, einen Samstag im Monat um 15 Uhr. Hier geht es zum Flyer.

FAQ – häufige Fragen

Hast du schon Erfahrungen mit Nature Journaling? Schreib es in die Kommentare. Ich freue mich auf den Austausch.

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Maren

aus der Bastelfarbstube

Ich bin ein kreativer Kopf, ein Scannerpersönlichkeit, schmeiße einen Männerhaushalt und habe nebenher einen sozialen Beruf. Als Ausgleich hilft mir all das, was mit Journalen und Upcycling zu tun hat.