Zwei Farben. Nasses Papier. Und ein Ergebnis, das du nicht komplett in der Hand hast, das ist die Grundidee hinter lockerem Aquarellieren im Art Journal, und genau das macht es für Scannerpersönlichkeiten so reizvoll: kein starres System, sondern jedes Mal ein kleines Experiment.
Bei mir hat das Ganze so angefangen: Ich wollte einfach mal wieder etwas völlig Neues ausprobieren, typisch für mich als Scannerin, die selten lange bei einer Technik bleibt. Ich habe das Papier großzügig nass gemacht und verschiedene Farbtöne draufgetropft. Es war wirklich schön zu beobachten, wie die Farben ineinanderflossen. Nur am Rand entstanden diese kleinen Farbteiche: Ränder, die ich so nicht haben wollte. Ich habe sie mit einem Taschentuch weggetupft, und dabei entstanden neue Muster, die mir auch nicht gefielen. Also habe ich noch mal Farbe draufgetropft. Diesmal floss sie kaum noch, weil das Papier zwischenzeitlich schon wieder angetrocknet war.
Genau da liegt die eine Erkenntnis, die mir seitdem das Aquarellieren leichter macht: Diese Ränder und das plötzliche Nicht-mehr-Fließen haben fast nie mit deiner Pinselführung zu tun. Es liegt am Timing des Wassers: an dem Moment, in dem du Farbe aufträgst, im Verhältnis dazu, wie feucht das Papier gerade noch ist. Sobald du dieses Timing im Gefühl hast, wird lockeres Aquarellieren plötzlich viel entspannter.
🛒 Das brauchst du
- Aquarellblock, 14 x 21 cm, mind. 200 g/m², z. B. der Aquarellblock*, ca. 14 €
- Aquarellfarben, ein Set mit 12–24 Näpfchen, z. B. dieses Set*, ca. 35 €
- 1 Wassertankpinsel* Größe 8–10 (synthetisch, saugt gut Wasser), ca. 6 €
- Ein Glas Wasser (mind. 300 ml) zum Auswaschen des Pinsels
- Küchenpapier oder ein altes Taschentuch zum Abtupfen
- Optional: Malerkrepp, um die Papierränder abzukleben
- Ein Aquarell-Tagebuch*, um deine fertigen Seiten zu sammeln, ca. 12 €
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Schritt für Schritt: Aquarellfarbe im Art Journal auftragen
Schritt 1: Arbeitsplatz vorbereiten
Lege eine Unterlage aus (altes Handtuch oder Zeitung), Aquarellieren tropft. Öffne den Aquarellblock auf der Seite, die du bemalen willst, oder klebe die Ränder deines Einzelblatts mit Malerkrepp ab, wenn du später einen sauberen weißen Rand haben möchtest. Fülle dein Wasserglas und lege das Küchenpapier griffbereit hin.
Schritt 2: Papier anfeuchten (Nass-in-Nass-Technik)
Tauche den sauberen Pinsel in klares Wasser und ziehe damit die Fläche ab, die du bemalen willst: gleichmäßig, ohne Druck, ruhig zwei- bis dreimal drüber. Das Papier soll gleichmäßig glänzen, aber nirgendwo eine sichtbare Wasserpfütze bilden. Das ist die Grundlage der Nass-in-Nass-Technik: Farbe, die auf noch feuchtes Papier trifft, verläuft weich statt harte Kanten zu bilden.
Schritt 3: Farbe auftropfen lassen
Nimm mit dem Pinsel Farbe auf, tupfe sie mittig auf die nasse Fläche und beobachte, wie sie sich von selbst ausbreitet. Setze 2–3 Farbtöne nebeneinander, ohne sie zu vermischen, das übernimmt das Wasser für dich. Genau hier passiert die kleine Magie des lockeren Aquarellierens für Anfänger: Du steuerst nur den Startpunkt, den Rest erledigt die Physik.
Schritt 4: Die Randteiche verstehen (und in Ruhe lassen)
Wenn sich am Rand deiner Fläche kleine Farbpfützen sammeln, ist das kein Fehler, das ist Physik. Das Wasser wandert zum Rand, wo das Papier schneller antrocknet, und die Pigmente sammeln sich dort. Fachleute nennen diese Ränder „Blüten“ oder Backruns. Der Reflex, sie sofort wegzutupfen, ist verständlich, führt aber oft zu genau den unruhigen Mustern, die ich bei meinem ersten Versuch hatte. Was wirklich hilft: kurz warten, bis die Fläche gleichmäßig anzieht, statt mitten im nassen Prozess einzugreifen.
Schritt 5: Trocknen lassen
Leg die Seite flach hin und lass sie ungestört trocknen: mindestens 20 Minuten, bei sehr viel Wasser auch länger. Nicht föhnen, wenn du noch nass-in-nass weiterarbeiten willst: Warmluft trocknet ungleichmäßig und erzeugt neue harte Ränder.
Schritt 6: Zweite Schicht: Details setzen (Nass-auf-Trocken)
Ist die Fläche komplett matt, kannst du mit einem nur leicht feuchten Pinsel und wenig Wasser gezielt Akzente setzen: kleine Punkte, feine Linien, dunklere Tupfer. Diese Nass-auf-Trocken-Technik gibt dir jetzt die Kontrolle zurück, die dir in Schritt 3 bewusst gefehlt hat. Der Kontrast zwischen den weichen Verläufen und den scharfen Details ist genau das, was eine Art-Journal-Seite lebendig wirken lässt.
Schritt 7: Fertigstellen und einkleben
Wenn alles vollständig trocken ist (mindestens eine Stunde, am besten über Nacht), löse das Malerkrepp vorsichtig in einem flachen Winkel ab, statt es hochzureißen, sonst reißt Papierfaser mit. Schneide die Seite bei Bedarf zurecht und klebe sie in dein Art-Journal ein, oder arbeite direkt im Aquarellblock weiter.
- Zu dünnes Papier: Unter 200 g/m² wellt sich die Seite stark und die Pfützenbildung nimmt zu. Lösung: mind. 200–300 g/m², besser gleich einen fertig geleimten Block nehmen.
- Sofortiges Wegtupfen von Rändern: Führt oft zu neuen, unkontrollierten Mustern. Lösung: 10–15 Sekunden warten, dann erst reagieren, oder die Ränder als Teil des Bildes stehen lassen.
- Zweite Schicht zu früh: Wenn das Papier noch glänzt, verläuft neue Farbe sofort wieder. Lösung: Glanz-Test aus Schritt 4 machen, notfalls lieber 5 Minuten länger warten.
- Zu viel Wasser auf einmal: Das Papier wellt sich und Farbe sammelt sich in den Wellen. Lösung: Pinsel vor dem Anfeuchten leicht am Glasrand abstreifen.
- Perfektionsanspruch beim ersten Versuch: Aquarell ist von Natur aus unvorhersehbar, das ist kein Zeichen für „falsch gemacht“, sondern der Kern der Technik. Übe lieber auf 3–4 kleinen Testflächen, bevor du auf der finalen Seite arbeitest.
Aquarell ist übrigens nur der Anfang: Wenn du gern verschiedene Techniken und Materialien mischst, statt dich auf eine festzulegen, lohnt sich ein Blick in meinen Artikel Mixed Media Kunst im Art Journal, eine Technik voller Wunder.
- Statt bunter Mischungen: nur 2 Töne aus derselben Farbfamilie für einen ruhigeren, eleganten Look.
- Größeres Format (z. B. A5 oder A4) für mehr Fläche zum Experimentieren, dann aber mind. 300 g/m² Papier verwenden.
- Etwas Salz auf die noch feuchte Farbe streuen: Es entzieht Wasser und hinterlässt sternförmige Strukturen.
- Zerknitterte Frischhaltefolie auf die nasse Fläche legen, kurz antrocknen lassen und wieder abziehen: ergibt spannende, unregelmäßige Muster.
Übrigens: Nicht nur beim Aquarellieren, auch bei Collage- oder Mixed-Media-Seiten passiert es schnell, dass eine Art-Journal-Seite gerade nicht so wird, wie du wolltest. Ich hab die 7 Ansätze, die mir dabei am meisten helfen, für dich gesammelt.
So rettest du jede „verhauene“ SeiteDer Grund, warum die meisten an dieser Stelle aufgeben, ist nicht fehlendes Talent, sondern der Moment, in dem sie zu früh aufhören. Jede Seite hat eine hässliche Phase. Hier sind 7 Wege, genau da wieder rauszukommen:
- Gesso-Reset: Eine weiße oder schwarze Gesso-Schicht über die Problemzone. Trocknet in 3 Minuten und wird zum Untergrund für eine frische Ebene.
- Ablenk-Fokus setzen: Ein starkes Element daneben platzieren, zum Beispiel ein Gesicht, eine große Blüte oder eine kräftige Form. Das Auge wandert dorthin, nicht zum Fehler.
- Collage-Overlay: Passendes Papier reißen (nicht schneiden, wirkt echter) und über die Stelle kleben. Die Kanten mit Kreidefarbe angleichen.
- Stempel-Rettung: Ein großflächiges Muster stempeln, das die ganze Zone überdeckt. Je größer der Stempel, desto schneller die Rettung.
- Washi-Grenze ziehen: Tape entlang der Problemkante kleben. Aus dem Fehler wird ein bewusster Übergang zwischen zwei Seitenbereichen.
- Textur statt Farbe: Strukturpaste oder Modeling Paste auftragen. Sie lenkt vom Farbchaos ab und gibt der Seite sofort mehr Tiefe.
- Fenster schneiden: Ein Rechteck oder Oval aus Papier ausschneiden und wie einen Bilderrahmen über die Seite legen. Nur der schöne Teil bleibt sichtbar.
Dein Mini-Check, bevor du weitermachst:
- Ich habe der Seite 5 Minuten Pause gegönnt, bevor ich sie beurteile.
- Ich habe mindestens eine Technik ausprobiert.
- Ich schaue wieder zufrieden auf meine Seite.
Und die Reste, die du dabei abschneidest? Die werden die perfekten Hintergründe für deine Journal Cards.
Das ist der Block, den ich für kleinere Art-Journal-Seiten aktuell am meisten nutze. Die Oberfläche ist angenehm griffig, nimmt Wasser gut auf und lässt sich auch bei mehreren Farbschichten noch gut korrigieren. Die kompakte Größe passt in jede Tasche, wenn du spontan unterwegs malen willst. Ehrlich gesagt: Bei sehr nassen Techniken mit viel Wasser wellt er sich trotzdem ein bisschen, für Profi-Ansprüche bräuchtest du ein schwereres Papier ab 300 g/m².
Ansehen →Hier sammle ich meine fertigen Aquarellseiten, statt sie lose im Ordner zu haben. Das Papier ist etwas leichter als reines Aquarellpapier, reicht für lockere Nass-in-Nass-Übungen aber gut aus. Besonders schön: Ich sehe auf einen Blick, wie sich meine Technik von Seite zu Seite verändert. Die Schwäche: Für sehr wasserreiche Techniken mit vielen Schichten würde ich zusätzlich einzelne Blätter aus einem schwereren Block einkleben.
Ansehen →



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